Die Haut hat nicht ein Alter, sondern drei. Und das einzige, das auf der Geburtsurkunde steht, ist das am wenigsten relevante.
Die Haut hat ein kalendarisches, ein biologisches und ein optisches Alter. Das kalendarische ist fix – da lässt sich nichts machen. Die anderen beiden vermischen sich und sind schwer voneinander zu trennen. Und genau diese beiden sind es, an denen wir arbeiten können. Biologisches Hautalter beschreibt die Leistungsfähigkeit: Wie gut funktioniert die Barriere, wie stabil sind die Kollagenstrukturen, wie schnell regeneriert sich das Gewebe? Optisches Hautalter beschreibt den Eindruck: Wie alt schätzt man einen Menschen bei Betrachtung seiner Haut – anhand von Pigmentierung, Oberflächenrelief, Durchblutung, Ausstrahlung? Diese beiden Ebenen fallen nicht zwingend zusammen. Ich sehe das täglich in meiner Praxis: Menschen mit demselben Geburtsjahr, deren Haut Welten trennt.
Die Haut muss bei der Betrachtung der Alterung häufig für so ziemlich alles herhalten. Das wird der Sache nicht gerecht. Sie ist zwar Teil des Ganzen und altert gemeinsam mit allen anderen Organen – folgt aber ihrer eigenen Dynamik. Sie kann der Gesamtalterung voranschreiten: kalendarisch junge Menschen, die optisch alt wirken. Sie kann aber auch hinter der Gesamtalterung zurückbleiben: kalendarisch alte Menschen, die optisch jung aussehen. Man kannaw das Alter eines Menschen allein an seiner Silhouette hinter einer Milchglasscheibe relativ präzise einschätzen – und braucht dafür nicht einmal die Haut zu sehen. Aber wenn man die Haut sieht, erzählt sie ihre eigene Geschichte. Was den Unterschied macht, sind vor allem die äußeren Einflüsse.
Die Hautalterung unterliegt denselben genetischen Einflüssen wie alle anderen Organe. Durch ihre exponierte Lage an der Körperoberfläche ist sie aber den Einflüssen der Umwelt in weit höherem Maße ausgesetzt. Daraus ergeben sich zwei Prozesse: eine endogene, innere Hautalterung, die Hand in Hand mit allen anderen Organen abläuft. Und eine exogene, äußere Hautalterung, die sich auf die endogene noch aufpfropft. An lichtexponierter Haut, also vor allem Gesicht und Handrücken, wird diese äußere Alterung überwiegend durch die Sonne bestimmt. Man spricht von Lichtalterung; Photoaging. Um das zu verstehen, hilft ein einfaches Bild: Die Oberhaut ist die Tischdecke, die Lederhaut der Tisch. UVA-Strahlen dringen durch die Tischdecke bis in den Tisch und zerstören dort die Kollagen- und Elastinfasern. Gleichzeitig sinkt die Neubildung. Der Tisch wird instabiler – und die Tischdecke wirft Falten.
An der kalendarischen Alterung lässt sich nichts ändern. An der biologischen und optischen sehr wohl. Der Einfluss des Lebensstils auf die Lebensdauer liegt bei 75 bis 90 Prozent – der Einfluss der Gene bei 10 bis 25 Prozent. Das überrascht viele, aber die Daten sind eindeutig. Und sie gelten auch für die Haut. Die Stellschrauben sind bekannt: Ernährung, Bewegung, Schlaf, emotionale Balance – und ein kluger Umgang mit der Sonne. Wer die Alterung akzeptiert, hat die besten Voraussetzungen, gut zu altern. Anti-Aging ist ein Oxymoron – wie Antisonnenuntergang. Slow Aging, Well Aging, Better Aging – das sind die richtigen, passenderen, der Sache gerechter werdenden Begriffe. Mehr dazu in Kapitel 1 meines Buches – How to Look Better: 10 Maximen für eine schöne Haut und ein besseres Leben