26. Jun 2026
Hautgesundheit Wissen

Sonne – Freund oder Feind?

Die Sonne wird heute oft fast nur noch als Risiko betrachtet. Aus dermatologischer Sicht ist das zu einseitig.

Warum die Antwort komplizierter ist, als beide Lager behaupten

Beim Thema Sonne gibt es zwei Lager. Die einen verlassen das Haus nicht ohne Sonnencreme und sehen in jedem Sonnenstrahl eine Bedrohung. Die anderen legen sich sorglos in die Mittagssonne, bis die Haut rot wird. Beide liegen falsch. Meine Haltung lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: gesunder Menschenverstand.

Was die Sonne für uns leistet

Sonne hebt die Stimmung, wirkt antidepressiv und fördert die Bildung von Serotonin. Ich kenne kaum jemanden, der sich nicht freut, wenn die Sonne scheint. Hinzu kommt Vitamin D. Der entscheidende erste Schritt seiner Synthese findet in der Haut statt – unter dem Einfluss von UVB-Strahlung. Als Vitamin-D-Lieferant ist die Sonne biologisch von großer Bedeutung. Aber sie birgt eben auch ihre Risiken.

Was Bräune wirklich bedeutet

Jede Bräunung beginnt mit einem Schaden. UV-Strahlung belastet das Erbgut der Zellen. Die Haut reagiert darauf mit der Bildung von Melanin, einem Pigment, das als natürlicher Schutzfilter dient. Bräune ist also keine Gesundheitsanzeige, sondern eine Schutzreaktion. Wie schwer der Schaden wiegt, hängt stark vom Hauttyp ab. Helle, sonnenempfindliche Menschen tragen langfristig ein höheres Risiko – für Hautkrebs ebenso wie für vorzeitige Hautalterung. Wichtig zu verstehen: Der Schaden entsteht lange, bevor eine Rötung sichtbar wird. Eine Hautrötung ist kein Frühwarnsignal. Sie ist ein spätes Schadenssignal.

Was guter Umgang mit Sonne bedeutet

Die Konsequenz daraus ist nicht Sonnenangst, sondern Augenmaß. Wer seine persönliche Eigenschutzzeit kennt und respektiert, kann die positiven Seiten der Sonne genießen, ohne unnötige Schäden zu riskieren. Schutz durch Kleidung, Sonnencreme und kluges Verhalten ist sinnvoll – Panik ist es nicht. Und hier wird es interessant: Es mehren sich die Hinweise, dass nicht nur zu viel Sonne problematisch sein kann, sondern auch zu wenig. Menschen im sonnenreichen Brisbane etwa werden im Schnitt älter als im sonnenarmen Edinburgh – obwohl Hautkrebs in Brisbane deutlich häufiger ist. Genau deshalb sollte man die Sonne nicht nur durch die Brille des Dermatologen betrachten. Die Haut ist nur ein Organ unter vielen. Entscheidend ist der ganze Mensch. Das ist OneHealth.

Apropos Hautkrebs

Er ist das, was den meisten beim Stichwort Sonne zuerst einfällt – und kaum ein Thema wird so von Angst begleitet. Dabei lohnt sich gerade hier ein nüchterner Blick. Heller Hautkrebs ist tatsächlich der häufigste Krebs des Menschen. Die Ursache ist fast immer dieselbe: zu viel Sonne über zu viele Jahre für die helle Haut, die von Hause aus nur einen geringen bis gar keinen Eingenschutz hat. Und doch ist Hysterie nicht angebracht. In der Mortalitätsstatistik liegt Hautkrebs auf einem der hinteren Plätze, und bei regelmäßiger Vorsorge ist er in den allermeisten Fällen gut behandelbar. Entscheidend ist ein einziges Wort: rechtzeitig. Eine neue oder veränderte Hautstelle gehört dermatologisch begutachtet – für das geübte Auge ist Hautkrebs meist gut zu erkennen.

Mein Fazit

Die Sonne ist kein Feind. Sie ist aber auch kein harmloser Freund. Sie ist eine starke biologische Kraft, die man kennen und respektieren sollte, nicht fürchten. Die Sonne ist für den gesunden Menschen grundsätzlich positiv zu werten. Ihre Vorteile überwiegen die Nachteile bei Weitem – sofern man weiß, was man tut. Ausführlicher schreibe ich darüber in Kapitel 5 – „Tan Carefully" – meines Buches How to Look Better: 10 Maximen für eine schöne Haut und ein besseres Leben. Es ist das längste Kapitel des Buches – weil kaum ein Thema so missverstanden wird wie die Sonne.