17. Jul 2026
Hautgesundheit Wissen

Warum Staunen gut für die Haut ist

Staunen hat eine Physiologie. Was wie eine rein emotionale Erfahrung wirkt, hinterlässt messbare Spuren im Körper – auf Entzündungsmarker, Stresshormone und damit auf die Haut. Was die Forschung dazu sagt, ist überraschend klar.

Über die Physiologie der Ehrfurcht

Es gibt Momente, in denen man kurz innehält. Ein Blick über eine weite Landschaft, ein Musikstück, das einen unvorbereitet trifft, ein Kunstwerk, das größer ist als man erwartet hat. Dieses Gefühl hat einen Namen: Ehrfurcht. Auf Englisch: Awe. Und es hat auch eine Physiologie.

Was im Körper passiert

Ehrfurcht ist nicht nur eine Emotion – sie ist ein Zustand, der sich auch physiologisch erfassen lässt. Forschende der UC Berkeley zeigten in zwei unabhängigen Studien einen Zusammenhang zwischen solchen Momenten und niedrigeren Werten des Entzündungsmarkers Interleukin-6. Von allen positiven Emotionen – Freude, Stolz, Mitgefühl – war Ehrfurcht, also das Staunen, der stärkste Prädiktor für diesen Effekt. Ob die niedrigeren Entzündungsmarker Ursache oder Folge des Erlebens sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Aber die Assoziation ist robust.

Warum das für die Haut relevant ist

Chronisch erhöhte Entzündungsmarker – sogenanntes Inflammaging – gelten heute als einer der zentralen Treiber vorzeitiger Hautalterung. Sie schwächen die Hautbarriere, beschleunigen den Kollagenabbau und reduzieren die Regenerationsfähigkeit des Gewebes. Was Entzündung hemmt, schützt also mittelbar auch die Haut. Hinzu kommt der Einfluss auf Cortisol. Dauerhaft erhöhte Cortisolwerte – die klassische Folge von chronischem Stress – greifen direkt in die Hautstruktur ein: Kollagen wird abgebaut, die Barrierefunktion leidet, Irritationen nehmen zu. Zustände, die den Stresspegel senken, wirken dem entgegen.

Slow Looking – die Methode dahinter

Staunen entsteht selten beiläufig. Es braucht Aufmerksamkeit, Verlangsamung, eine gewisse Bereitschaft, sich berühren zu lassen. Was Psychologen als „Slow Looking" beschreiben – das bewusste, konzentrierte Betrachten eines Gemäldes, einer Landschaft oder eines Musikstücks – bringt den Körper in einen Zustand von Erholung statt Stress. Es ist das Gegenteil von Reizüberflutung. Es ist Konzentration, Öffnung, Versenkung – und letztlich Hingabe. Nicht das schnelle Scrollen durch Bilder. Sondern das Verweilen bei einem einzigen.

Staunen lässt sich üben

Staunen kostet nichts. Es lässt sich nicht in eine Flasche füllen. Aber man muss dafür bereit sein – und man kann es üben. Wer sich regelmäßig erlaubt, oder vielleicht sogar dazu zwingt, inne zu halten und wirklich zu schauen, zu hören, zu spüren – der öffnet sich für etwas, das Kinder noch selbstverständlich können: die Welt als groß und überraschend erleben. Diese Haltung – Neugier, Offenheit, die Bereitschaft, zu staunen – ist einem jeden Menschen nur anzuraten. Sie ist einer der Schlüssel zu einem erfüllten Leben. Gut für die Gesundheit. Und für die Haut.