Warum Hautkrebs ernst zu nehmen ist – und Hysterie trotzdem fehl am Platz ist
Heller Hautkrebs ist der häufigste Krebs des Menschen. Die Ursache ist in den allermeisten Fällen dieselbe: über Jahre zu viel Sonne für eine sonnenempfindliche Haut. Nicht der eine Sonnenbrand im letzten Sommer, sondern die Summe von Jahrzehnten. Hysterie ist trotzdem unangebracht. In der Mortalitätsstatistik liegt Hautkrebs auf einem der hinteren Plätze, und die meisten Hautkrebsformen sind gut bis sehr gut behandelbar.
Es gibt den hellen und den schwarzen Hautkrebs. Der helle – dazu gehören Basalzellkarzinom und Plattenepithelkarzinom – ist der weitaus häufigere. Und der harmlosere. Das Basalzellkarzinom bildet praktisch nie Metastasen, das Plattenepithelkarzinom streut nur in den wenigsten Fällen. Das Melanom dagegen, der schwarze Hautkrebs, ist viel seltener – aber gefährlicher. Denn es kann streuen und Tochtergeschwülste bilden. Wer allerdings Hautkrebs hört, denkt meist an das Melanom, den gefährlichen schwarzen. In den Statistiken werden aber beide Formen erfasst, und der helle wird ungleich öfter diagnostiziert: In Deutschland werden pro Jahr rund 27.000 Melanome registriert – und etwa 240.000 Fälle von hellem Hautkrebs. Ein Verhältnis von ungefähr neun zu eins. So entsteht zuweilen ein schiefes Bild, eine sozusagen überdramatisierte Wahrnehmung, wenn sich nämlich die Häufigkeit der einen Form mit der Gefährlichkeit der anderen verbindet.
Nicht nur, dass Hautkrebs meistens ungefährlich ist – vor allem lässt er sich früh erkennen. Denn er sitzt auf der Oberfläche. Man kann ihn sehen, bevor er Beschwerden macht. Andere Organe muss man mit einigem Aufwand untersuchen, die Krebsvorsorge ist dort ungleich komplizierter. Die Haut hingegen liegt offen.
Unser Auge reicht allerdings nicht überall hin. Den eigenen Rücken – auch den verlängerten – sieht man nicht, die Kopfhaut nicht, nicht die Haut hinter den Ohren. Schon deshalb ist es ratsam, regelmäßig einen Dermatologen aufzusuchen. Hinzu kommt, dass viele frühe Formen des hellen Hautkrebses für einen Laien überhaupt nicht nach Krebs aussehen. Vorstufen wie die aktinischen Keratosen erscheinen als raue, schuppende Stellen, meist im Gesicht, auf der Kopfhaut oder den Handrücken, und werden häufig für trockene Haut gehalten. Unbehandelt kann daraus ein Plattenepithelkarzinom entstehen.
Ich erinnere mich an einen Patienten, der aus einem ganz anderen Grund zu mir kam. Meine Frage, ob er schon einmal einen Hautcheck gemacht habe, wurde verneint. Ich schlug ihm vor, wo er doch heute schon einmal hier sei, seine Haut komplett zu untersuchen. Am Rücken fand sich eine relativ große, unregelmäßig pigmentierte Hautveränderung, die auch ein Laie als verdächtig eingestuft hätte. Das Laborergebnis ergab ein Melanom, glücklicherweise mit sehr geringer Eindringtiefe. Der Patient war mit einer kleinen Operation in lokaler Betäubung, die nicht länger als zehn Minuten gedauert hat, geheilt.
Eine sorgfältige Hautvorsorge dauert maximal zehn Minuten und ist ohne besondere Geräte durchführbar. Eine große Handlupe genügt. Sie ist ausgesprochen unkompliziert und tut auch nicht weh. Das gibt es in dieser einfachen Form – außer vielleicht bei den Zähnen – bei kaum einem anderen Organ. Gerade beim Melanom hängt alles davon ab, dass es früh entdeckt wird. Ein früh erkanntes Melanom ist in aller Regel durch eine kleine Operation erledigt. Ein spät erkanntes ist eine ernste Erkrankung. Besonders empfiehlt sich eine regelmäßige Hautkrebsvorsorge für Menschen mit hellem Hauttyp oder vielen Muttermalen, für alle, die viele Sonnenbrände hatten, und für jene mit Hautkrebs in der Familie oder der eigenen Vorgeschichte.
Hautkrebs ist häufig, aber selten gefährlich, wenn man ihn frühzeitig erkennt. Nicht Angst oder Ohnmacht schützt die Haut, sondern Vorsorge. Und ein kluger Sonnenschutz.