Unsere innere Uhr läuft von allein. Damit sie mit dem Wechsel von Tag und Nacht übereinstimmt, braucht sie einen täglichen Abgleich. Und der beginnt im Auge.
Wer über Licht und Haut spricht, denkt zunächst an Sonnenschutz. Zu Recht. Doch Licht hat noch eine andere Funktion: Es hilft dem Körper, seine inneren Abläufe mit der äußeren Zeit abzustimmen. Das Auge ist dabei weit mehr als ein Sehorgan.
Die Netzhaut zählt zu den stoffwechselaktivsten Geweben des Körpers. Sie wandelt Licht in Nervensignale um. Ein Teil ihrer Zellen übernimmt dabei eine besondere Aufgabe: Sie enthalten Melanopsin, einen lichtempfindlichen Farbstoff, und melden dem Gehirn die Helligkeit der Umgebung. Ihre Nervenfasern führen direkt in eine kleine Region des Hypothalamus, den suprachiasmatischen Kern. Hier sitzt unsere zentrale innere Uhr. Sie koordiniert die täglichen Rhythmen von Schlaf, Hormonausschüttung, Stoffwechsel und Körpertemperatur.
Diese Uhr läuft auch ohne äußere Zeitangaben weiter. Ihr eigener Rhythmus dauert im Durchschnitt etwas länger als 24 Stunden. Sie geht also, verglichen mit dem äußeren Tag, ein wenig nach. Damit innere und äußere Zeit übereinstimmen, wird sie täglich nachgestellt. Der Wechsel von Hell und Dunkel ist dafür der wichtigste Zeitgeber. Licht setzt die Uhr dabei nicht erst in Gang – es hilft ihr, richtig zu gehen.
Für mich als Dermatologen wird es hier besonders interessant. Denn die zentrale Uhr im Gehirn ist nicht die einzige. Auch Hautzellen besitzen eigene biologische Uhren. An Fibroblasten, den Bindegewebszellen der Haut, lässt sich das zeigen: Zell- und Tierversuche haben ergeben, dass ihr innerer Takt beeinflusst, wie sie sich bewegen und in einen Wundbereich einwandern. Ein Vorgang, der für die Wundheilung wesentlich ist. Hinzu kommt der Schlaf. In einer Untersuchung mit 60 Frauen wurde die Hautbarriere mit Klebestreifen gezielt gestört und anschließend ihre Erholung gemessen. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang mit der Schlafqualität: Bei den Frauen, die schlechter schliefen, war die Barriere nach drei Tagen weniger gut wiederhergestellt. Schlaf und biologische Rhythmen gehören also zur Physiologie der Haut. Und wer die Haut verstehen will, muss über ihre Oberfläche hinausdenken.
Ein gut beleuchteter Raum kann zum Lesen und Arbeiten ausreichen und unserer inneren Uhr tagsüber trotzdem zu wenig Licht bieten. Deshalb ist es sinnvoll, regelmäßig ins Freie zu gehen, besonders am Morgen, vielleicht bei einem Spaziergang. Tageslicht nutzen und sich schützen ist kein Widerspruch: Für die innere Uhr zählt sichtbares Licht, nicht UV-Strahlung. Und direkt in die Sonne schaut man nie, auch nicht mit Sonnenbrille. Am Abend ist dagegen weniger Licht gefragt: Helles Licht kann den Schlaf-Wach-Rhythmus nach hinten verschieben und die Ausschüttung von Melatonin hemmen. Dieses Hormon signalisiert dem Körper, dass Nacht ist. Deshalb ist es ratsam, in den Stunden vor dem Schlafen die Beleuchtung zu reduzieren, Bildschirme eingeschlossen. Beim Schlafen sollte es also möglichst dunkel sein.